Chinas Feiertage 2026
Was man wissen sollte, wenn man mit China arbeitet – oder verwandt ist
Wer regelmäßig mit China zu tun hat – sei es geschäftlich, im Bildungsbereich oder privat – merkt rasch, dass der chinesische Kalender einer eigenen Logik folgt. Manche Feiertage sind kurz, andere verwandeln das ganze Land in eine Art „Ausnahmezustand auf freundliche Art“. Vor allem zwei davon: das chinesische Neujahr und der Nationalfeiertag Anfang Oktober.
Ein gutes Verständnis dieser Feiertage erspart Missverständnisse, steigert die Planungssicherheit und hilft, kulturell feinfühlig zu kommunizieren. Im Folgenden ein Überblick, der Ihnen das Jahr 2026 in China strukturiert und praxisnah aufbereitet.
Die wichtigsten Feiertage 2026 im Überblick
1. Januar – Neujahr (元旦)
Der Jahresbeginn nach westlichem Kalender wird in China durchaus wahrgenommen, hat allerdings nicht dieselbe Bedeutung wie bei uns. Das Land läuft normal weiter, wenn auch etwas gemächlicher.
16.–22. Februar – Frühlingsfest / Chinesisches Neujahr (春节)
Das zentrale Ereignis des chinesischen Jahres. Eine Woche offizieller Feiertag, in der Realität eher zwei. Die gesamte Logistik verlangsamt sich, Büros sind geschlossen, und nahezu jede geschäftliche Kommunikation kommt zum Erliegen. Wer Deadlines plant, sollte diese Tage großzügig umfahren.
5.–6. April – Qingming-Fest (清明节)
Das traditionelle Ahnenfest, an dem Familien die Gräber ihrer Vorfahren besuchen. Ein stiller, kulturell zentraler Anlass. In der Geschäftswelt empfiehlt es sich, in dieser Zeit keine zeitkritischen Entscheidungen zu erwarten.
1. Mai – Tag der Arbeit (劳动节)
Der chinesische 1. Mai fällt häufig in eine verlängerte Kurzurlaubsphase. Terminfindungen werden dadurch nicht unmöglich, aber spürbar träger.
19. Juni – Drachenbootfest (端午节)
Ein traditionsreicher Frühsommerfeiertag mit Bootsrennen und Reisnudeltaschen. Die wirtschaftlichen Abläufe bleiben weitgehend stabil, wenngleich leicht reduziert.
25. September – Mittherbstfest (中秋节)
Eines der emotionalsten Feste des Jahres, das Familien zusammenbringt – traditionell mit Mondkuchen und Vollmondbetrachtung. Für viele Betriebe ein kurzer Ruhepunkt.
1.–7. Oktober – Nationalfeiertag und Goldene Woche (国庆节)
Eine ganze Woche landesweiter Ferien, zusätzlich verstärkt durch enorme Reisetätigkeit. Das öffentliche Leben bleibt aktiv, aber geschäftliche Abläufe ruhen nahezu vollständig. Produktionszeiten, Lieferketten und internationale Abstimmungen sollten in diesem Zeitraum keinesfalls geplant werden.
Feiertage für bestimmte Gruppen
Einige Feiertage beziehen sich auf klar definierte Bevölkerungsgruppen:
– Am 8. März erhalten Frauen einen halben freien Tag.
– Am 4. Mai gibt es für junge Menschen zwischen 14 und 28 einen halben Feiertag.
– Am 1. Juni haben Kinder unter 14 komplett schulfrei.
– Am 1. August genießen Angehörige der chinesischen Streitkräfte einen halben freien Tag.
Diese Tage sind für die internationale Geschäftskommunikation weniger relevant, aber im HR-Kontext hilfreich zu wissen.
Die chinesische Besonderheit: verschobene Arbeits- und Ruhetage
Ein Phänomen, das viele europäische Unternehmen zu Beginn überrascht:
Um längere, zusammenhängende Urlaubsblöcke zu schaffen, werden in China bestimmte Wochenendtage kurzfristig zu regulären Arbeitstagen erklärt.
Offizielle Regelungen für 2026 gibt es erst gegen Jahresende 2025. Bis dahin gilt: mit Flexibilität planen und die jeweiligen Ankündigungen des Staatsrats aufmerksam verfolgen.
Überstunden und Feiertagsvergütung
Abhängig vom Arbeitszeitmodell gelten unterschiedliche gesetzliche Vorgaben, die vor allem für Unternehmen mit chinesischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern relevant sind.
Standard-Arbeitszeitsystem:
– Arbeit an einem offiziellen Feiertag wird mit mindestens dem Dreifachen des normalen Lohns vergütet.
– Arbeit an einem verschobenen Ruhetag (wenn kein Ersatzruhetag möglich ist) mit mindestens dem Doppelten.
– Normale Überstunden liegen bei mindestens 150 Prozent.
Umfassendes Arbeitszeitsystem:
– Feiertage: mindestens 300 Prozent.
– Wochenenden oder verschobene Tage: keine besonderen Zuschläge, da der Ausgleich über längere Zeiträume erfolgt.
Arbeitszeitsystem ohne feste Stunden:
– Feiertage: üblicherweise mindestens 300 Prozent.
– In einigen Regionen (z. B. Beijing) gelten Sonderregelungen, in anderen (z. B. Shanghai) nicht.
Wichtig: Arbeit an Wochenenden, die zu Arbeitstagen erklärt wurden, ist rechtlich gesehen normale Arbeitszeit, unabhängig vom System.
Was Unternehmen und Organisationen wirklich beachten sollten
1. Langfristig planen
Sowohl das Frühlingsfest als auch die Goldene Woche sind jährlich bedeutende Unterbrechungen im Wirtschaftsleben. Projektpläne, Fristen und Lieferketten sollten frühzeitig darauf abgestimmt werden.
2. Budget für Feiertagsarbeit berücksichtigen
Wer in China Mitarbeitende beschäftigt oder mit chinesischen Partnern arbeitet, sollte die teilweise hohen Lohnzuschläge im Blick behalten.
3. Offizielle Bekanntmachungen beobachten
Die endgültige Feiertagsliste inklusive Verschiebetagen wird jedes Jahr erst relativ spät veröffentlicht.
4. Frühzeitig kommunizieren
Je früher internationale Teams informiert sind, desto besser lassen sich Verzögerungen vermeiden.
5. Compliance ernst nehmen
Die korrekte Anwendung der gesetzlichen Zuschläge ist verpflichtend und stärkt zugleich das Vertrauen der Mitarbeitenden.
Warum ein Blick auf den chinesischen Kalender Beziehungen verbessert
Feiertage sind immer auch Kulturträger. In China drücken sie Werte wie Familienverbundenheit, Tradition, Loyalität und gesellschaftliche Kontinuität aus. Wer diese Tage respektiert und bei der eigenen Planung berücksichtigt, zeigt Wertschätzung – und erhält sie meist ebenfalls zurück.
Und vielleicht bleibt am Ende sogar Zeit, den eigenen Horizont zu erweitern: sei es mit einem Mondkuchen, einem Verständnis für den chinesischen Bahnverkehr während der Goldenen Woche oder der Einsicht, dass ein Kalender manchmal mehr über ein Land erzählt als jede kulturelle Einführung.
